Perspektiven zur Gesundheitsversorgung 2040

Datum: 13. Juli 2026
3 Min. Lesedauer

Wie können die Versorgungsstrukturen in Österreich nachhaltig weiterentwickelt werden? Dieser Frage widmet sich die aktuelle Analyse „Perspektiven zur Gesundheitsversorgung 2040. Szenarien für ein leistungsfähiges, nachhaltiges und solidarisches Gesundheitssystem“, die die Gesundheit Österreich (GÖG) gemeinsam mit BDO und dem Entwicklungs- und Planungsinstitut für Gesundheit (EPIG) im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz erstellt hat. 

Hintergrund der Analyse sind zentrale Herausforderungen für das österreichische Gesundheitssystem: der demografische Wandel, der zunehmende Fachkräftemangel, der medizinisch-technische Fortschritt sowie Fragen der langfristigen Finanzierbarkeit.

Vier Szenarien als Grundlage für den Vergleich

Die Analyse vergleicht vier Szenarien bis zum Jahr 2040: 

  • Referenzszenario – keine weiteren Reform- oder Weiterentwicklungsschritte
  • Szenario „Status Quo +“ – aktuelle Reformen werden konsequent verfolgt, aber ohne grundlegende Strukturveränderungen: insbesondere Stärkung der Primärversorgung, Ausbau digitaler Angebote, Optimierung bestehender Strukturen
  • Szenario „Stufenverschiebung“ – strukturierte Weiterentwicklung des Gesundheitssystems: klare funktionale Gliederung der ambulanten und stationären Versorgung, neue Definition der Versorgungsrolle von Teilversorger-Krankenanstalten, stärkere Rolle der Primärversorgung als steuernde Instanz
  • Szenario „Grüne Wiese“ – umfassende Neugestaltung des Gesundheitssystems als Referenzmodell: systemische Gesamtplanung aller Versorgungsstufen, stark integrierte Primär-, Fach- und intramurale Versorgung

Strukturierte Weiterentwicklung notwendig

Die Ergebnisse der Analyse zeigen, dass alle drei Reformszenarien gegenüber dem Referenzszenario Vorteile bieten. Ohne Reformen würde der Druck auf Personal, Ressourcen und Finanzierung deutlich steigen.

Hinsichtlich der Wirkungen auf die Versorgungsqualität, Zugänglichkeit, Personalbedarf und Kosten bewertet die Analyse das Szenario 2 „Stufenverschiebung“ als ausgewogensten Entwicklungspfad: Das Szenario gilt als realistisch umsetzbar, zu erwarten sind signifikante Effizienz- und Qualitätsgewinne. Kurzfristig könnten auch Maßnahmen aus dem Szenario „Status Quo +“ zur Stabilisierung beitragen, langfristig könnten Maßnahmen aus dem Szenario „Grüne Wiese“ in Überlegungen miteinbezogen werden. 

Primärversorgung als zentrale Drehscheibe

Im Szenario 2 „Stufenverschiebung“ ist die Primärversorgung die zentrale Drehscheibe des Systems – sie ist als Vertrauensordination die verlässliche Erstanlaufstelle für Patient:innen sowie Lotsin durch das System. Innerhalb der Primärversorgung sollen Primärversorgungseinheiten die vorrangige Organisationsform werden. Einzelordinationen bleiben insbesondere im ländlichen und peripheren Raum ein wichtiger Bestandteil der wohnortnahen Versorgung. Darüber hinaus sollen die Gesundheitshotline 1450 und telemedizinische Angebote ausgebaut werden. Für eine flächendeckende Versorgung wäre österreichweit ein massiver Ausbau der PVE auf etwa 600 bis 900 PVE nötig. 

Auch die ambulante Fachversorgung soll in Szenario 2 ausgebaut und vor allem in vergemeinschafteten Organisationsformen erbracht werden. Insbesondere sollen österreichweit etwa 75 Gesundheitsversorgungszentren (GVZ) mit multiprofessionellen Teams entstehen, sie sollen eine zentrale Rolle in der ambulanten Versorgung einnehmen. 

Durch diesen Ausbau sollen bis zu 95 Prozent der Bevölkerung eine PVE innerhalb von 15 Minuten erreichen können, 90 Prozent ein Gesundheitsversorgungszentrum innerhalb von 30 Minuten.

Teambasierte Versorgung

Die Analyse zeigt klar: Für eine qualitätsvolle, gleichwertig zugängliche und finanzierbare Gesundheitsversorgung ist eine stärker strukturierende Weiterentwicklung des Gesundheitswesens notwendig. Der teambasierte Versorgungsansatz spielt dabei eine wesentliche Rolle.